Ev.-Luth. St. Johanniskirchengemeinde Malchin
Ev.-Luth. St. Johanniskirchengemeinde Malchin
Auszüge aus
St. Johannis zu Malchin
von Volker Mischok

Bild "Kirchengemeinde:Malchin_Kirche_Gertz_01.jpg" Die Größe der St. Johanniskirche legt dem Besucher die Frage nahe: Wie kommt eine kleine Stadt zu solch einer gewaltigen Kirche? Die Frage zu beantworten, mag man kurz zurücksehen auf die Geschichte der Stadt Malchin.
Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 1215 in einer Schenkungsurkunde des Herzogs Kasimar von Pommern. Am 7.April 1236 wurde Malchin durch Nicolaus, Fürst von Werle, das Schweriner Stadtrecht verliehen. Die Stadt nahm schnell einen wirtschaftlichen Aufschwung, im 14.Jahrhundert war sie die viertgrößte Stadt in Mecklenburg und galt als eine der reichsten mecklenburgischen Ackerbürgerstädte.
In dem langen Zeitraum zwischen 1621 und 1918 fanden hier in der Stadt, im Wechsel mit Sternberg, die Mecklenburger Landtage statt, die in der Kirche eröffnet wurden. 1926 bekam Malchin den Status einer Kreisstadt zugesprochen und etablierte sich als Verwaltungssitz einiger Behörden.
Die Zerstörung der Stadt zu zwei Dritteln hat Malchin empfindlich zurückgeworfen. Heute steht die große Aufgabe, der Stadt wieder ein unverwechselbares Gesicht zu geben, das sowohl der Geschichte, als auch den Aufgaben und Erfordernissen der Gegenwart und Zukunft entspricht.
Die Stadtkirche, auf die alle wichtigen Wege in der Stadt zulaufen, hat in diesem Prozess neben der geistigen auch eine unübersehbar städtebauliche Funktion.

Zur Baugeschichte der St. Johanniskirche

Zehn Jahre nachdem Malchin das Stadtrecht verliehen worden war, bestätigt der Bischof Wilhelm von Camin in einer Urkunde einen ersten Kirchenbau. Aus noch vorhandenen Bauresten lässt sich erschließen, dass es sich damals um eine kleinere, im romanischen Stil erbaute, dreischiffige Hallenkirche handelte.
Bei einem großen Stadtbrand 1397 ist dieser Kirchbau fast völlig zerstört worden. Lediglich die südliche und westliche Außenmauer blieben erhalten. Dort lassen sich heute noch Ornamente aus romanischer Bauzeit leicht wahrnehmen: Reste eines Rundbogenfrieses unter einer zweifachen Stromschicht, Rosetten und ein Fensterschlitz mit schräge eingehenden Wandungen.
Um rasch einen Neubau der Kirche zu befördern, verlieh am 6.Juni 1397 der in Malchin anwesende Johann, Bischof von Garda und Weihbischof des abwesenden Johann von Camin, der abgebrannten St. Johanniskirche zu Malchin einen Ablass „zur Wiederauferbauung und Ausrüstung“.
Schon 1440 konnte der neue Kirchbau geweiht werden. Er wurde als eine dreischiffige gotische Basilika aufgeführt. Bis heute unklar ist die Baugeschichte der nach Süden ausgebauten Marienkapelle und des Turmes. Dieser steht, nördlich versetzt, nicht in der Mittelachse der Kirche. Die ursprünglich gotische Turmspitze ist im Jahre 1648 heruntergefallen und wurde dann durch die barocke Haube, die 1897 noch einmal etwas verändert wurde, ersetzt.

Der Innenraum der St. Johanniskirche

Die gotische Kirche ist ein Sinnbild, dessen Merkmale die schön gegliederte und sichtbar gemachte Struktur der tragenden und verbindenden Bauelemente einerseits, und die Behandlung des Lichts, die „Durchsichtigkeit der Wände“ andererseits sind. Unsere Kirche – ein Raum der Ruhe mit großen Fenstern zur Außenwelt.
Nachdem die räumliche Stimmung der Kirche aufgenommen wurde, fällt der Blick in den großen Chorraum und auf den Altar. Der Altaraufbau ist „ein Werk des klassizierenden und romantischen Geschmacks“ (F. Schlie) aus dem Jahr 1824. Das Gemälde, das die Kreuzigung Christi zeigt, wurde vermutlich von Wilhelm Krüger, einem gebürtigen Malchiner geschaffen. Die umgrenzenden Säulen sind aus Stucco-Lustro, einem Marmorersatz, hergestellt. Obenauf stehen die Apostel Petrus und Johannes. Die Kreuzigung Christi wird eingerahmt durch die Kirchenfenster zur Linken und zur Rechten, die 1902/03 eingesetzt wurden.
Unter den beiden Fenstern finden sich zwei alte Grabsteine, von denen der linke einen Güstrower Domherren, Nikolaus Breyde, zeigt. Der rechte Grabstein erinnert an Dr. Johannes Sadenwather, einen verdienstvollen Malchiner Bürgermeister und Chronisten, nebst seiner Frau.
Bild "Aktuelles:Orgel01.jpg"Der barocke Prospekt der Orgel stammt von einer alten Orgel aus dem Jahr 1780 und wurde belassen, als der Mecklenburger Orgelbauer Friedrich Friese 1877 eine neue Orgel für die Kirche baute. Friese war Großherzoglicher Orgelbauer in Schwerin. Die Orgel hat zwei Manuale, Pedal und 28 Register. Das Mecklenburgische Wappen an der Empore erinnert an die Landtage in Malchin.
Unmittelbar neben dem Chorraum ist eine alte Renaissance-Kanzel aus dem Jahr 1571 aufbewahrt. Sie wurde von Hans Boeckler gefertigt und von einem Malchiner Bäcker, Conradus Frolike, gestiftet. Neben den Evangelisten, von denen einer leider „abhanden“ gekommen ist, finden sich auf der Vorderseite der Kanzel auch drei Heißwecken, als Hinweis auf den edlen Spender. Unterhalb der Kanzel lagern die Sockel zweier romanischer Taufsteine, von denen besonders der rechte wegen der drei eingemeißelten Gesichter Beachtung findet.

Die Marienkapelle

Durch eine Tür, welche die starke, romanische Mauer der alten Kirche durchbricht, gelangt man in die Marienkapelle. Über der Lütkemüllerorgel aus dem 19.Jahrhundert wurde die Triumpfkreuzgruppe aus dem 15.Jahrhundert aufbewahrt, die einst über den Stufen zum Altarraum der großen Kirche ihren Platz hatte. Der Gekreuzigte wird in die Mitte genommen durch seine Mutter Maria und den Lieblingsjünger Johannes.
Der größte Schatz unserer Kirche ist der Marienaltar aus dem 15.Jahrhundert. Der Meister oder zumindest die Schule, die diesen herrlichen Flügelaltar schuf, sind bis heute unbekannt. Neben 29 Nebenaltären, diente dieses Werk ursprünglich als Hauptaltar nach der Neueinweihung unserer Kirche 1440. Im Zentrum der geschnitzten Festseite steht die Krönung Mariens, der Mutter Jesu. Ihr zur Seite finden sich 36 Heilige, darunter auch die zwölf Apostel. Die äußeren Bildtafeln der Altarflügel erzählen aus dem Leben Jesu, seine Geburts- und Leidensgeschichte, sowie von Johannes dem Täufer und Legenden aus dem Leben Johannes des Evangelisten.  

Allemal lohnend und zumal bei klarem Wetter unvergesslich, ist ein Aufstieg auf unseren Kirchturm. Von luftiger Höhe lässt sich die alte Anlage der Stadt Malchin noch sehr genau ausmachen. Über die Endmoränenlandschaft der Mecklenburgischen Schweiz im Norden, reicht der Blick bis zum Kummerower See im Osten.

Technische Maße der Kirche:
Höhe des Kirchenraumes: 22 Meter
Länge: 42 Meter
Höhe des Kirchturmes: 65 Meter



Aus der Gorschendorfer Kirchengeschichte


Bild "Kirchengemeinde:Kirche_Gorschendorf_120811_02.jpg" Aus einem Sonntagsblatt der Mecklenburgischen Nachrichten vom Juni 1926 wird über die Kirchengeschichte von Gorschendorf berichtet: „Wohl keine Pfarre und daher mit ihr die Kirche in unserm Heimatlande haben ein so wechselvolles Schicksal gehabt, wie die Kirche und Pfarre in Gorschendorf bei Malchin und die mit ihr verbundene Kirche in Retzow. Beide Kirchen waren im 15. Jahrhundert und früher selbstständig, wurden dann aber dem Malchiner Pater mit übergeben, der sie als zwei Filialen versorgte. Der letzte, dem die geistliche Versorgung der Gemeinden Gorschendorf und Retzow oblag, war der Pater Marquard Funk. Als er die umfangreiche Seelsorge nicht mehr infolge zunehmenden Alters ausüben konnte, wurde nach Gorschendorf wieder ein eigener Pastor gesetzt, der nun seinerseits die Gemeinde Retzow mit zu verwalten hatte. Letztere hatte dann um die Mitte des 16. Jahrhunderts herum wieder einmal eigene Pastoren. Da aber in Retzow kein Pfarrhaus gebaut war, mußten die Geistlichen bei den Bauern wohnen, was zu allerlei Unzuträglichkeiten führte. Bald nahm denn auch das eigene Pastorat in Retzow wieder ein Ende. Im dreißigjährigen Kriege wurde dann auch das Retzower Gotteshaus zerstört. Im 18. Jahrhundert wurde dann beim Neu- bezw. Umbau der Kirche begonnen, aber der Bau geriet bereits 1740 ins Stocken. Die nur notdürftig unter Dach gebrachte Kapelle ist ihrer ursprünglichen Bestimmung niemals übergeben worden. Sie wurde vielmehr dem Kuhhirten von Retzow und den Dreschern, dann später dem Küster als Gelaß für Heu und Korn angewiesen. Bemerkenswert ist, daß bei der Mutterkirche in Gorschendorf niemals bis zum Jahre 1869 eine Küsterei bestand. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Gorschendorfer Pastor noch jeden zweiten Sonntag in Retzow zu predigen, während die Instandhaltung der Kapelle bereits dem Gutsherrn von Remplin oblag. Seit dem Jahre 1899 ist nun Retzow ganz von Gorschendorf abgetrennt und in Remplin eingepfarrt.
Die alte Gorschendorfer Kirche wurde in Fachwerk im Jahre 1593 erbaut. Die Gebäude des Pfarrgehöfts ließen außerordentlich viel zu wünschen übrig. Das Getreide in der Scheune mußte verderben, da das Dach vollständig undicht war und es überall durchregnete. Und mit dem Pfarrhaus sah es nicht besser aus. Dem Pastor zahlten die Gemeindemitglieder die Gebühren entweder gar nicht oder nur zum geringen Teil, so daß er nach und nach verarmte. Im Jahre 1704 verließ daher der Pastor Sommer seine Pfarre, da er auf ihr nicht leben konnte, und wurde Pastor im Holsteinischen. Auch das Gotteshaus befand sich um die Zeit (Anfang des 18. Jahrhunderts) in einem höchst traurigen Zustande. Das Dach ließ eine Unmenge Feuchtigkeit durch, so daß die Decke aufweichte, die Kanzel war dermaßen gebrechlich, daß der Pastor befürchten mußte, eines Tages mit ihr niederzubrechen. Aber es blieb alles wie es war bis zum Jahre 1778. Erst dann wurde eine umfangreiche Reparatur, auch eine Vergrößerung der Kirche durch einen Anbau vorgenommen, nachdem schon im Jahre 1753 auf vieles Bitten des damaligen Geistlichen ein neues Pfarrhaus entstanden war. Vom Jahre 1807 ab wurde Gorschendorf dann mit Neukalen vereinigt. Diese Zusammenlegung währte bis zum Jahre1850. Dann erhielt die Gemeinde wieder einen eigenen Pfarrverweser, der aber in Neukalen seine Wohnung hatte, das das Gorschendorfer Pfarrgehöft im Jahre 1826 an die dortige Gutsherrschaft verkauft worden war. Im Jahre 1878 erhielt die Pfarre in Gorschendorf nun wieder ihre volle Selbständigkeit zurück. Die Regierung hatte das Gut Gorschendorf im Jahre 1861 käuflich erworben und zum Domanialpachthof gemacht. Sie brachte im Frühling des Jahres 1878 auch das Gut Jettchenshof in ihren Besitz und Großherzog Friedrich Franz II. überwies das bisherige Gutsgehöft Jettchenshof und einen Teil des Gutackers der Pfarre Gorschendorf als Geschenk. 5 Jahre, von 1905 bis 1910 wurde Gorschendorf dann, um seine Pfarre aufzubessern, durch Hilfsprediger aus Neukalen verwaltet, bis zum Jahre 1918 hatte die Gemeinde wieder einen eigenen Seelsorger und seither verwaltet der zweite Geistliche in Malchin die Pfarre mit. Das Pfarrgehöft mit den dazu gehörenden Ländereien wurden am 1. Juli 1919 an die Stadt Malchin verkauft, und man beabsichtigte, in Gorschendorf selbst ein Pfarrgehöft zu erbauen. Bis heute ist es bei dem guten Willen geblieben.“
Der Neubau der Kirche in Gorschendorf wurde am 14. Juli 1901 in Gegenwart des Großherzogs Friedrich Franz IV. geweiht.

Hier eine Auflistung, der in Gorschendorf tätigen Pastoren:
1567-1587 Peter Beckmann (vorher Pastor in Geldorf in den Niederlanden); um 1590-1607 Peter Hensel (aus Dahme in der Mark), unter ihm wurde 1593 eine Kirche in Fachwerk erbaut; 1608-1610 Nicolaus Potling; 1610-1644 Peter Bruno aus Wesenberg; 1644-1657 Samuel Bruno (Sohn des Peter Bruno); 1658-1682 Christian Güstrow aus Rostock; 1683-1704 Lorenz Sommer aus Danzig; 1704-1711 Jakob Vick aus Waren/M.; 1712-1726 Andreas Melchior Zernotitzky aus Nürnberg; 1727-1757 Christian Heinrich Pauli aus Parchim; 1759-1765 Johann August Hermes aus Magdeburg; 1766-1774 Johann Jakob Friedrich Severus aus Dassow; 1774-1807 Clamor Joachim Kielmann aus Tessin; von 1807 bis 1850 war die Kirche mit Neukalen vereinigt; 1851 August Köppen aus Neustadt; 1851-1853 Carl Eduard Müller aus Hadersleben; 1853-1855 Friedrich Wilhelm Bauer aus Hanstorf; 1855-1865 Friedrich Wilhelm Schliemann; 1866-1868 Wilhelm Ludwig Neumann aus Schwerin; 1868-1871 Dr. Friedrich Philippi aus Rostock; 1871-1873 Adolf Johann Albrecht aus Ribnitz; 1873-1877 Carl Theodosius Keil aus Leipzig; 1877-1884 Emil Ehlers aus Warin; 1884-1905 Hermann Ludwig August Berg aus Alt Gaarz; 1905-1907 Emil Behrmann aus Penzlin (Hilfsprediger aus Neukalen); 1907-1910 Hermann Frehse aus Dömitz (Hilfsprediger aus Neukalen); 1910-1918 Paul Ludwig Voß aus Wittenburg

Quelle: Die Mecklenburg-Schwerinschen Pfarren seit dem dreißigjährigen Kriege von Gustav Willgeroth, Wismar 1924.